

FRAGEN & ANTWORTEN PRODUZENT:INNEN GAUMONT
Sabine de Mardt und Andreas Bareiss
Die Zusammenarbeit mit Netflix besteht seit vielen Jahren. Was zeichnet diese Partnerschaft aus – und was ermöglicht sie auf kreativer Ebene?
Sabine de Mardt:
Barbaren war eines der ersten großen Projekte von Gaumont Deutschland für Netflix und national sowie international überaus erfolgreich. Die Zusammenarbeit mit Netflix ist also über viele Jahre hinweg auf einer Basis aus Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt gewachsen. Sowohl mit den Kreativteams als auch mit den Kolleg:innen im Business- und Produktionsbereich verbindet uns ein enger, transparenter Austausch mit kurzen Entscheidungswegen. In allen Abteilungen ist eine große Begeisterung für die Inhalte spürbar – sie schafft ein Arbeitsumfeld, das von Offenheit, Dialog und echtem Teamgeist geprägt ist.
Dieser gemeinsame Spirit eröffnet auf kreativer Ebene den Raum, mutig zu denken, Neues auszuprobieren und Projekte wie Unfamiliar mit besonderer Tiefe und Qualität zu entwickeln. Unterstützt wird dieser kreative Anspruch durch angemessene budgetäre Rahmenbedingungen, die den individuellen Anforderungen eines Stoffes gerecht werden. So entsteht eine Partnerschaft, in der wirtschaftliche Verantwortung und kreative Freiheit in einem produktiven Gleichgewicht stehen.
Gaumont steht weltweit für international erfolgreiche High-End-Serien wie Narcos, Lupin oder Barbaren. Wie fügt sich Unfamiliar in diese globale Gaumont-Tradition ein?
Sabine de Mardt:
In einer Zeit, in der Inhalte allgegenwärtig sind, wird Aufmerksamkeit zu einem kostbaren Gut. Um Zuschauer:innen zu erreichen, kommt es genau auf eines an – emotional zu berühren.
Gaumont ist mit seiner über 130-jährigen Geschichte bis heute ein Familienunternehmen. Diese besondere Struktur prägt unsere Arbeitsweise: Wir entwickeln ausgewählte Stoffe mit großer Sorgfalt, getragen von internationaler Erfahrung und einer tiefen Begeisterung für das Erzählen starker Geschichten. Entscheidend ist dabei immer der Spirit des gesamten Teams – national wie international verbindet uns die gemeinsame Überzeugung, dass große Geschichten emotional wahrhaftig sein müssen.
Dieser kreative Prozess braucht Zeit, Vertrauen, Kritikfähigkeit und den Mut, Dinge auch noch einmal neu zu denken. Wenn uns das gelingt, entstehen starke, authentische, lokal verwurzelte Geschichten, die eine universelle emotionale Kraft entfalten und dadurch auch internationale Strahlkraft entwickeln können. Unfamiliar ist ein Beispiel für diesen Ansatz – persönlich, mutig und in der Tradition von Gaumont erzählt.
Nach Barbaren, einem der erfolgreichsten Starts einer deutschen Netflix-Serie überhaupt – national wie international. Was hat Sie an Unfamiliar überzeugt, diesen Stoff als nächsten großen Serienentwurf für Netflix zu produzieren?
Andreas Bareiss:
Als Jugendlicher habe ich mit der deutschen Serie „Die Rote Kapelle“ (1972) erstmals das Spy-Thriller-Genre für mich entdeckt – eine Begeisterung, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. Als mir Paul Coates – mit dem mich bereits eine längere und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet – das Pilotscript zu lesen gab, wusste ich unmittelbar: Das will ich machen. Um es mit Sidney Lumet zu sagen: „Der wahre Konflikt eines Thrillers ist immer ein moralischer.“ Genau diesen moralischen Kern hat Paul auf außergewöhnlich klare und eindrucksvolle Weise geschaffen.
Unfamiliar vereint ein starkes kreatives Team mit einer hochkarätigen Besetzung um Susanne Wolff und Felix Kramer. Welche Kriterien waren für Sie bei der Auswahl der Kreativen und des Casts entscheidend?
Andreas Bareiss:
Für mich war bei der Auswahl der Kreativen entscheidend, dass sie eine klare eigene Stimme haben und ein echtes inneres Bedürfnis, genau diese Geschichte zu erzählen. Wichtig war mir außerdem die Bereitschaft, mutige Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und offen im Team zu arbeiten. Beim Casting stand nicht Bekanntheit im Vordergrund, sondern emotionale Wahrhaftigkeit und Präsenz. Insgesamt ging es mir und der Producerin Lina Mareike Zopfs darum, ein Team zusammenzustellen, das die Geschichte ehrlich, kraftvoll und eigenständig zum Leben bringt.